Fritz Böhle: „Die Unterwerfung der Lebensfreude“

Fritz Böhle: Die Unterwerfung der Lebensfreude. ISBN: 978-3-8376-8112-3
16. Juni 2026, 270 Seiten
ISBN: 978-3-8376-8112-3

Unser Mitglied, Fritz Böhle, hat ein WERK geschaffen. Das ist nicht nur einfach eine wissenschaftliche Studie über ein Einzelthema, das ist ein Kompendium, welches sich der Frage stellt: Wie und warum und mit welchen Folgen sind Arbeit und Lebensfreude historisch zu verschiedenen Entitäten geworden?

Das naturwüchsig Ungetrennte ist am Ende des Mittelalters definitiv getrennt. Für die Gegenwart sind Urlaub, Feiern und Arbeit unterschiedene Sachverhalte. Arbeit ist als Mühsal und Last eher negativ konnotiert, Müßiggang, Muße abschätzig betrachtet und Freizeit, Erholung und Urlaub erstrebenswert, doch nur, so lange und so weit es der Wiederherstellung der Arbeitskraft dient.

Das alles, so belegt Böhle, hat sich nicht naturwüchsig oder zufällig so entwickelt, sondern ist die Folge direkter Eingriffe der jeweils Herrschenden in das Alltagsleben mittels Verordnungen, Regelungen, Einschränkungen bis hin zu den blutigen Einfriedungen, dem Zwang zur Arbeit, den Zucht- und Arbeitshäusern und der Zwangsarbeit und modernen Sklaverei.

Die Regelungen betrafen Tanzen, Singen, Kleidung, Sexualität, Geschichtenerzählen, Musik und Musizieren, kurz, jedes Element des täglichen Lebens.

Der brutale Kampf gegen Nomadismus und Landstreichertum bei gleichzeitiger Enteigung der Bauern (Stichwort: Einfriedungen) ebenso wie die Verfolgung und Abwertung des Müßiggangs und deren exklusiver Vorbehalt für eine künstlerische und wirtschaftliche Elite dienten letztlich der Vorbereitung der bürgerlich-kapitalistischen Produktionsweise.

Natürlich wissen wir, dass mit der Entmenschlichung der Arbeit die Übernahme der Arbeit durch Maschinen vorbereitet und überhaupt möglich wurde.

Wie genau das geschehen ist, das stellt uns Fritz Böhle detailliert und in einem wundervoll lesbaren und gleichzeitig exakten Stil dar.

Böhle schließt: „Ein erweitertes Verständnis von Arbeit könnte sich darauf beziehen, Arbeit nicht nur auf das Zweckgerichtete zu beschränken, sondern auszuweiten: auf das menschliche Vermögen, insgesamt die eigenen Lebensbedingungen selbst zu gestalten – sowohl technisch, ökonomisch und politisch zweckgerichtet als auch sozio-kulturell für emotionales Erleben und Verhalten. Lebensfreude erscheint dann (wieder) nicht mehr nur als eine Folge und abhängig von ökonomisch-materiellem ›Erlebniskonsum‹, sondern als ein eigenständiger Bereich menschlicher (Selbst-)Gestaltung.“

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